Lohnt sich die Investition in eine neue Workstation?

Zeit für eine Neuanschaffung

Irgendwann geht es wohl jedem so. Die neueste Version einer Software lässt sich nicht mehr installieren. :-(

Bei mir betraf dies Adobe Premiere und After Effects. Hier fehlte die entsprechende Prozessorunterstützung für die Version 24. 

Bei einem rund 10 Jahre alten PC (Ram wurde mal auf 32 GB erweitert, die Systemplatte auf SSD umgestellt und vor einigen Jahren die Grafikkarte ausgetauscht) eigentlich nicht verwunderlich, er bleibt aber auf Grund der unten gezeigten Fakten auch weiterhin im Einsatz. :-)

Gesagt, getan ... eine Workstation, die wieder 10 Jahre ihren Dienst tun sollte, zusammengestellt und bestellt.

Nach der Lieferung und problemlosen Installation sämtlicher verwendeter Software (und das war dennoch fast 1 Arbeitstag, obwohl alles glatt lief) dann die entscheidende Frage:

Hat sich die Investition jetzt dafürgestanden?

Der klassische 3DMARK Test für eine erste Einschätzung

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Die neue Workstation

  • Intel Core i9 14900k - 24 cores (32 mit HT)

  • Nvidia GeForce RTX 4090 - 24 GB

  • 192 GB Ram

  • SSD bzw. M2 Harddisks

  • Preis: € 3.500,-- netto

Mit über 63.000 Scorepunkten ein durchaus beeindruckendes Ergebnis.

Theoretisch sollte die neue Workstation also rund 5x so schnell sein, wie die alte - aber was zeigt ein realer Vergleich?

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Die alte Workstation

  • Intel Core i7 2600K - 4 cores (8 mit HT)

  • Nvidia GeForce RTX 2060 - 6 GB

  • 32 GB Ram

  • SSD bzw. IDE Harddisks

  • Preis (ursprünglich): rund € 2.200,-- netto

In Anbetracht des Alters immer noch ein sehr gutes Ergebnis, das für die meisten Anwendungsgebiete wohl immer noch völlig ausreichend ist.

 

Dass sich die neuen Komponenten natürlich in einer generell flüssigeren Performance niederschlagen, ist klar.

Ob jetzt der Start von Windws 20 Sek. schneller von statten geht, ist für mich allerdings nicht relevant.

Viel relevanter ist für mich die Performance bei zeitintensiven Arbeiten wie Rendern, Videobearbeitung etc.

 

1.) 3ds max 2024 mit VRay Advanced 6

Evermotion Testszene
  • 6,4 Mio. Polygone

  • 13,8 Mio. Vertices

  • Dateigröße: 464 MB

Viewport Performance - Standard Display Mode
  • Workstation Neu: rund 60-70 Frames per Second

  • Workstation Alt: rund 15-20 Frames per Second

VRay Interaktiver Viewport Renderer
  • Das erste Bild erscheint auf der neuen Workstation in einem Bruchteil der Zeit - nach rund 50 Sekunden

  • Auch das Render nach einer Bewegung bis zum finalen Bild (das zu rund 95% dem finalen Rendeing entspricht) ist nach rund 5 Sek. erledigt.

  • Ist auf der alten Workstation die Szene einmal in den Speicher geladen- nach rund 2 Min 30 Sek. - ist auch hier eine recht gute Performance möglich. Qualitativ gibt es kaum Unterschiede.

  • Wenn man seine Szene mit DirektX Materialien aufbaut, ist der Performance und Qualitätsunterschied mit Sicherheit weit größer.

  • Was sich leider auch zeigt, ist, dass 3ds max auch schon eine alte Dame ist. Trotz vieler Entwicklungsanstrengungen, sind von der allgemeinen Performance keine Wunder zu erwarten. Andere Programme profitieren mit Sicherheit stärker von der neuen Hardware.

Workstation Neu

Workstation Alt

Die Königsdiziplin - das Rendern

Sehr gespannt war ich auf die Render Performance, da es hier ausschließlich auf CPU und RAM ankommt.

Gerendert wurde die Szene in Full-HD (110%) und mit 6/12 Samples.

 

Workstation Neu

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Top Performance

Nach knapp über 6 Minuten ist das Rendering fertig - das bedeutet einen Faktor von rund 10x - ich bin begeistert. :-)

Workstation ALT

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Die gewohnte Performance

Nach über 60 Minuten ist das Rendering fertig - was meiner Erfahrung entspricht. :-)

2.) Adobe Premiere

Die allgemeine Performance ist beeindruckend. Im einem normalen Arbeitsablauf auch mit einer Vielzahl Spuren wird man wohl recht selten ein Pre-Rendering benötigen.

Beim Rendern und Exportieren (MP4 Coding) ist man auch etwa bei einem Faktor 9x, da hier ja sowohl CPU wie auch GPU voll genutzt werden.

Clip: Full HD 1 Min. 47 Sek.

Filter: Neat Video - Noise Reduce

Workstation Neu

Renderzeit: 2 Minuten 8 Sekunden

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Workstation Alt

Renderzeit: 17 Minuten 29 Sekunden

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3.) Adobe After Effects

Die allgemeine Performance ist beeindruckend.und 192 GB Ram bieten viel Platz für "Render Preview to RAM".

Der Performanceunterschied beim Rendern und Exportieren (MP4 Coding) ist zwar nicht so groß wie in Premiere aber immer noch sehr gut.

Workstation Neu

Renderzeit: 8 Minuten 40 Sekunden

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Workstation Alt

Renderzeit: 27 Minuten 29 Sekunden

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4.) weitere Software

AutoCAD Including Specialised Toolsets

Wer sich bei AutoCAD und den vertikalen, auf AutoCAD basierenden Produkten, Wunder erwartet, wird wohl enttäuscht sein. Da hier weder die multiple Cores noch die Grafikkarte einen massiven Einfluß auf die Performance haben, sind keine allzu großen Performance Zuwächse zu erwarten. In der Regel kommt man auch mit 32 GB RAM aus. Bei AutoCAD IST erhält man also eine ähnliche Performance für weit weniger Geld. Andere CAD Programme sind hier von Grund auf schon um einiges performanter.

Autodesk Revit

Bei großen Projekten und in schattierten Viewports ist hier durchaus eine flüssigere Performance zu erwarten.

Speziell wenn man auch Echtzeit-Visualisierung mit Twinmotion oder Enscape nutzt, ist eine Investition in neue Hardware durchaus zu überlegen.

Entsprechende Test stehen allerdings noch aus. :-)

Autodesk Fusion 360

Bei Fusion 360 hatte ich bei meinen bisherigen Projekten eigentlich nie Probleme. Einzig bei Projekten mit vielen Komponenten wurde der Speicher ab und zu knapp.

Entsprechende Test stehen aber noch aus. :-)

Und Last but not Least, wer auf seiner Workstation ab und zu auch einmal spielen möchte, wird seinen Spaß haben.

Nicht dass jetzt irgend jemand 200-400 fps in Anno 1800 brauchen würde, ist es dennoch ein beruhigendes Gefühl, auch für die nächsten Jahre auf der sicheren Seite zu sein.

Für weitere Fragen stehe ich unseren Kunden natürlich jederzeit gerne zur Verfügung.
Gert Peterschinegg